Bosch in Deutschland
Bosch-Wissenschaftler Dr. Franz Lärmer im Flur
Forschung im Bereich der Mikrosystemtechnik

Als Experte Einzigartiges schaffen

Bosch-Wissenschaftler Dr. Franz Lärmer

4 Minuten

Dr. Franz Lärmer ist Experte mit Erfindergeist: Er hat mit seiner Forschung bei Bosch vor vielen Jahren den Grundstein für das gelegt, was man heute unter der Mikrosystemtechnik versteht.

„Das Wichtigste ist, Begeisterung zu wecken.”

Dr. Franz Lärmer
Franz Laermer im Labor
Mittlerweile arbeitet der 57-Jährige als Bosch Research Fellow am Bosch Forschungscampus in Renningen an Innovationen für die Automatisierung der medizinischen Molekulardiagnostik.

„Zu Beginn meiner Berufslaufbahn, vor rund 30 Jahren, hatte mich mein damaliger Vorgesetzter bei Bosch vor eine große Herausforderung gestellt: Ich sollte Silizium hochpräzise und mit hoher Geschwindigkeit mit Plasmen strukturieren. Er nannte es die Quadratur des Kreises: etwas, das eigentlich nicht funktionieren konnte, wenn man der Literatur Glauben schenkte. ‘Aber machen Sie einfach mal' – war seine Anweisung.” Und es funktionierte: Gemeinsam mit seiner Kollegin Andrea Urban hat Dr. Franz Lärmer die Silizium-Mikromechanik-Technologie entwickelt, die sich als „Bosch-Prozess” durchgesetzt und die Mikrosystemtechnik revolutioniert hat. Er gehört damit zu den Erfindern jener Methode, mit der sich die mikroskopisch kleinen Strukturen der MEMS (mikro-elektromechanische Systeme) aus Silizium herstellen lassen. Dadurch wurde es erstmals möglich, Sensoren in großer Stückzahl kostengünstig herzustellen.

MEM Sensoren

Nahezu alle MEMS-Sensoren weltweit werden heute mit Hilfe des von Dr. Franz Lärmer entwickelten „Bosch-Prozesses“ hergestellt. Die winzigen Sensoren können mechanische Signale aufnehmen und in elektrische Informationen verwandeln. Sie sind unverzichtbar in Fahrzeugen und einer Vielzahl von elektronischen Geräten: Sie sorgen beispielsweise dafür, dass Smartphones ihr Bild passend für den Betrachter ausrichten oder erfassen, wenn ein Fahrzeug auszubrechen droht. Dr. Franz Lärmer legte den Grundstein für diese Technologie, deren Ergebnis bei Bosch bereits milliardenfach produziert wurde. Dafür erhielten er und seine Kollegin den Europäischen Erfinderpreis und die Goldmedaille der IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers, USA), Mitstreiter beim Bosch-Geschäftsbereich Automotive Electronics den Deutschen Zukunftspreis.

Erfolg kann man nicht befehlen. Wenn das Team mit Feuer und Flamme dabei ist, sind das Antriebskräfte, die man über andere Wege nicht erzeugen kann.

Dr. Franz Lärmer, Bosch-Wissenschaftler

Faktoren für den Erfolg eines Forschungsprojekts: Vernetzung und Austausch

Franz Laermer und Kollege bei Bosch im Labor

Neugier, Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit – wichtige Eigenschaften für eine Expertenrolle in der Forschung. Als Bosch Research Fellow lenkt Dr. Franz Lärmer wichtige strategische Entscheidungen mit. Die Karrieremöglichkeiten bei Bosch sind für Experten genauso gut wie in einer Führungslaufbahn. Im Unterschied zu einer Führungslaufbahn stehen bei der Experten-Karriere aber die fachliche Problemlösung und das technische Ziel von Produktinnovationen im Vordergrund. Führungsaufgaben sind trotzdem Bestandteil von Dr. Franz Lärmers Arbeitsalltag: „Als Experte habe ich auch eine Führungsrolle – wenn auch nicht disziplinarisch. Wenn wir in einem Projekt einen Rückschlag erleben, müssen die Leute im Team das Gefühl haben 'Er bekommt das hin!’”. Wichtig für den Erfolg sind für den Forscher neben den fachlichen daher auch die zwischenmenschlichen Kompetenzen: „Man kann nicht irgendwo eine Insel kreieren und sagen 'Da mach ich jetzt mein Expertentum auf'. Wenn man als Experte nicht die Fähigkeit hat, die Leute um sich herum mitzureißen, dann ist auch das Forschungsthema verloren.“

Franz Laermer portrait

Dr. Franz Lärmer

Bosch Research Fellow am Standort Renningen

Um erfolgreich zu sein, muss man über die Technik hinaus denken können.

Nach seiner Promotion an der Technischen Universität München stieg Dr. Franz Lärmer 1990 als Fachreferent für Mikrosystemtechnik in der zentralen Forschung bei Bosch ein und hat die Mikrosystemtechnik seitdem revolutioniert: Er ist Miterfinder des „Bosch-Prozesses“, durch den nahezu alle MEMS-Sensoren weltweit hergestellt werden. Heute ist der 57-Jährige Bosch Research Fellow und arbeitet am Bosch Forschungscampus in Renningen an Lösungen für die Automatisierung der Molekulardiagnostik.

Aus tiefem Fachwissen entstehen Bosch-Innovationen

Franz Laerner im Gespraech

„Die Ausrichtung der Forschungsthemen bei Bosch ist langfristig angelegt. Das ist charakteristisch für die Arbeit bei Bosch und ein Unterschied zu vielen anderen großen Unternehmen”, sagt Dr. Franz Lärmer. Vor kurzem haben er und das Team mit den Kollegen bei Bosch Healthcare Solutions (BHCS) „Vivalytic“ auf den Markt gebracht – ein miniaturisiertes Labor auf einer kleinen Kartusche, durch das Ärzte innerhalb kürzester Zeit anhand eines vollautomatisierten Prozesses Laborwerte erhalten. Das System testet auf hunderte von Erregern und kann so zum Beispiel innerhalb von Minuten die Information liefern, ob ein Antibiotikum für einen bestimmten Patienten erfolgversprechend ist. Auch diese Technologie beruht auf der Mikrosystemtechnik: „Das Thema entstand im Rahmen eines Projekts, das wir 2003 gestartet haben. Wir hatten uns von der klassischen Anwendung der Sensorik, wie sie in der Automobilindustrie angewendet wird, gelöst und überlegt: Wo könnten Mikrostrukturen noch Vorteile bieten?”

Franz Laermer genießt die Aussicht

Dr. Franz Lärmers nächstes Projekt: Die Entwicklung einer innovativen, automatisierten Diagnostiklösung für das Therapiemonitoring bei der Krebsbehandlung. „Mir ist wichtig, dass das, was ich mache, auf die Straße kommt und den Menschen nutzt.

Deshalb bin ich auch nach der Promotion in die Industrie gegangen. Und deshalb würde ich auch jederzeit wieder zu Bosch gehen. Weil wir hier eine innovative Atmosphäre haben, ein gutes Klima und weil wir uns die Zeit nehmen, Dinge wirklich von Grund auf bis zum Erfolg zu treiben – mit Beharrlichkeit und Konstanz.”

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